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© Heiko Dau

Rezension Father Brown

„Father Brown und das Dickicht der Lügen“: Mord und Intrige mit britischem Humor

Von Carsten H. Seedorf

Seit 1910 gehört der besonnene Geistliche Father Brown zum festen Bestand der genialen englischen Detektive. Doch anders als seine Kollegen Poirot oder Holmes gibt sich der kleine katholische Pfarrer zurückhaltend und bescheiden, wenn um ihn herum Mord und Intrige toben. Auch im Theater am Fluss geht es in den nächsten Wochen mörderisch zu, denn zur Spielzeiteröffnung ermittelt die berühmte literarische Erfindung des britischen Autors Gilbert Keith Chesterton in der Regie von Stefan Schroeder.
Erst kürzlich starb der Dorfarzt der beschaulichen Ortschaft Bohun Beacon unter ungeklärten Umständen. Nun liegt vor den Augen der zerstrittenen Dorfgemeinschaft eine erdolchte Leiche im Salon. Was folgt, ist ein klassischer englischer Krimi im besten Sinne – und außerdem ein Fall zum Mitraten. Denn verdächtig erscheint hier nahezu jeder, als die Fassade des idyllischen Ortes bröckelt, Bewohner spurlos verschwinden und immer neue Geheimnisse ans Licht kommen.
Das Dickicht der Lügen kann am Ende nur einer entwirren: Father Brown, von Ingo Löwen mit Umsicht und Augenzwinkern gespielt, ist der neue Gemeindepfarrer, der sich nur anfangs schweigsam im Hintergrund hält. Dass er dabei oft unterschätzt wird, ist seine Stärke: Ob im Wortgefecht mit dem übereifrigen Inspektor (Rainer Budde) oder im gefährlichen und überraschenden Finale: Stets beweist Father Brown Geistesgegenwart, Witz und Menschenkenntnis.
Neben der liebevoll genretypischen Ausstattung, durch die man sich in die Welt von „Downton Abbey“ versetzt fühlt, ist das vielseitige Ensemble die große Stärke dieser fesselnden Inszenierung: Das Ehepaar Halket (Silke Auer und Rainer Bremshey) versucht den Frieden zu retten, während die eigensinnige Tochter Jessica (Sabrina Fehring) sich ausgerechnet mit dem Dichter Henry einlässt, einem Shakespeare-Verehrer, den Tom Steven schön verschroben spielt. Lea Menzel verteidigt sich als junges Hausmädchen Betty tapfer gegen die Anschuldigungen der Polizei. Christine Kluge und Ute Pütz sind als Mrs. Belter und Mrs. Lavender die gestandenen Damen des Dorfes, die verdächtigerweise immer zur Stelle sind. Als ihre Widersacher machen sich die aristokratische Lady Glimstone (Diana Gaertig), der streitbare Commander Gallup (Matthias Geck/Herbert Hermes) und der joviale Geschäftsmann Wise (Marc Jankowiak) unbeliebt, denen die eiserne Anwältin Cardoyle aus London sekundiert (Karla Hülsmann/Katharina Hülsmann).
Sie alle haben starke Momente in diesem spannenden und humorvollen Kriminalstück, das freilich nicht alle Dorfbewohner überleben. Wer von ihnen am Ende, Father Brown sei Dank, des heimtückischen Mordes überführt wird, ist noch in sechs Aufführungen im September zu erleben: 18./22./23./24./29./30.9.22, jeweils 19.30 Uhr.

Tickets gibt es hier

Brown
Fr. 9. /Sa. 10. /So. 18. /Do. 22. /Fr. 23. /Sa.24. /Do. 29. / Fr. 30.September 2022 jeweils um 19.30 Uhr
Kerle
Sa. 19./ Di 22. /Sa. 26 / So. 27. November Fr. 02./ Sa.03.Dezember 2022 Jeweils um 18:00 Uhr
Kerle mieten Oder: Das Leben ändert sich stündlich
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Jugendstück von Stefan Schroeder nach dem Roman von Kirsten Boie Regie: Sabrina Fehring, Stefan Schroeder & Sina Weber Sa. 19./ Di 22. /Sa. 26 / So. 27.November Fr. 02./ Sa. 03.Dezember 2022 Jeweils um 18:00…

Father Brown und das Dickicht der Lügen
Father Brown und das Dickicht der Lügen

Krimi von Stefan Schroeder nach Gilbert Keith Chesterton Regie: Stefan Schroeder Fr. 9. /Sa. 10. /So. 18. /Do. 22. /Fr. 23. /Sa.24. /Do. 29. / Fr. 30.September 2022 jeweils um 19.30 Uhr Über dem kleinen…